Lasst uns einen (alten) Apfelbaum pflanzen - Lilienweg Blog

Lasst uns einen (alten) Apfelbaum pflanzen

Deutsche_Pomologie_-_Aepfel_-_029Was wären unsere Klein(en)gärten ohne die vielfältigen Obstbäume, die uns vom Sommer bis in den späten Herbst hinein mit köstlichen Früchten wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Mirabellen die Tage versüßen. Eingekocht als Kompott und Marmelade füllen Ihre Erträge unsere Speisekammern und lassen in uns im kältesten Winter Erinnerungen an den Duft und die Süße des Sommers aufkommen.

So reift in manchem Gartenbesitzer der Wunsch den einen oder anderen Obstbaum sein eigen zu nennen. Betrachtet man das Angebot der lokalen Gartencenter wird man auch schnell fündig.

Vielfältig ist deren Angebot und doch in vielen Fällen einseitig. Alte Sorten wurden über die Jahre aus den Sortimenten entfernt oder waren gar niemals vorhanden.

So beschränkt sich vielmals das Angebot auf vielleicht vier bis fünf unterschiedliche Sorten. Dabei wird in den meisten Fällen eine regionale Auswahl nicht einmal berücksichtigt.

Doch warum sollte nicht der eigene Wunsch nach den Früchten des Sommers auch dazu Beitragen die Artenvielfalt der Obstgehölze in unserer Kulturlandschaft zu erhalten. Wie schön wäre es zum Beispiel einen Apfelbaum mit so einem klangvollen Namen wie „Champagner Renette“, „Königin Sophienapfel“ oder eine „Roter Bellefleur“ sein eigen zu nennen.

Nicht nur geschmacklich und beim Duft lassen sich hier neue Erfahrungen machen. Auch aus ökologischer Sicht ist die Pflanzung einer alten Sorte wichtig und nützlich. Durch das Verschwinden der alten Sorten wird der genetische Pool mit all seinen Erfahrungen immer kleiner. Die Handvoll Apfelsorten, die es in den Supermärkten ganzjährig zu kaufen gibt, stammt genetisch, weltweit nur noch von wenigen Muttersorten ab. Viele Insekten haben sich im Laufe der Jahre an die unterschiedlichen Sorten angepasst und diese als Kinderstube für ihren Nachwuchs genutzt.

Hinzu kommt, das viele der alten Sorten speziell an die vor Ort anzutreffenden Gegebenheiten des Bodens und des Klimas hervorragend angepasst sind. Dies lässt sich häufig schon an den speziellen Sortennamen wie zum Beispiel „Osnabrücker Renette“ oder „Schöner von Nordhausen“ erkennen.

Die Bemühung alte und eventuell für den lokalen Standort erfolgreichere Sorten anzupflanzen lässt sich aber nicht nur auf Obstgehölze beschränken.

Auch bei den Gemüsesorten gibt es noch einiges zu entdecken. Als Beispiel hier die quasi niedersächsische Nationalpflanze „Grünkohl“. Wer kennt heute noch den Braunkohl – eine rotbraunfarbene Grünkohlsorte, deren Stämme bis zu zwei Meter hoch werden und die früher nach der Ernte als Baumaterial verwendet wurden.

Just nach Beginn diese Artikels wurden wir darauf aufmerksam, das es in diesem Jahr eine neue Initiative in der Landeshauptstadt Hannover über die Gartenzeitung des Kleingartenverbandes Werbung für Ihre Veranstaltungen macht.

Mit „Transistion Town Hannover“ hat sich eine Initiative auf den Weg gemacht, die daran arbeitet den Gartenliebhabern alte Sorten wieder nahe zu bringen. In vielfältigen Veranstaltungen werden die Teilnehmer an die Grundlagen des Gemüseanbaus und die Sortenvermehrung und deren Erhalt herangeführt. Ein weiterer Schritt uns von den eintönigen Sortimenten und F1 Hybriden großer Saatgutkonzerne zu befreien und für mehr Vielfalt und Geschmack auf unserem Essenstisch zu sorgen.

In unseren Klein(en)gärten haben wir die Möglichkeit und vielleicht auch ein wenig die Verantwortung alte Sorten für unsere Nachkommen zu erhalten. Machen wir uns auf den Weg. Es gibt eine Menge zu entdecken!

Weitere Informationen zur Arbeit des Transition Town Hannover findet Ihr unter:
www.tthannover.de

Alte Gemüsesorten lassen sich bei Dreschflegel bestellen:
www.dreschflegel-shop.de

Weitere Informationen
www.nutzpflanzenvielfalt.de

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